|

|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Im Jahr 2005 haben wir mein großes Problem mit der Schwanzbeißerei dank der Medikamente im Griff (siehe Kapitel Epilepsie), so daß eine Gefährtin für mich gesucht werden soll. Was sich als schwierig, nervenaufreibend und nicht zuletzt kostspielig erweist. Obwohl meine Leute der Vermittlung von Tieren aus Südeuropa eigentlich kritisch gegenüberstehen, beschließen sie eines Tages, doch auf diese Möglichkeit zurückzugreifen. In den hiesigen Tierheimen gibt es nämlich überwiegend große oder sog. “Kampf”-Hunde. Einzige Alternative wäre ein zweiter Laborbeagle - möchte Dagmar aber nicht: EIN Problemhund - also ICH - reicht ihr voll und ganz. Sie klappert im Internet mehrere Tierschutzseiten ab, bis sie schließlich einige Hündinnen in die engere Wahl nimmt.
|
|
|
|
1. Versuch - Lanita
|
|
Lanita wird vermittelt über die Tierschutzorganisation

Mit der für uns zuständigen Betreuerin entwickelt sich ein sehr netter Kontakt per Mail. Lanita befindet sich noch in der Tötungsstation in der Nähe von Barcelona/Spanien. Über ihre Vorgeschichte ist nichts bekannt. Sie sieht etwas beagle-ig aus, soll 35 cm groß sein - also genau richtig.
Als wir sie am Abend des 01.04.2005 am Frankfurter Flughafen in Empfang nehmen, ist Dagmar sprachlos vor Schreck: Lanita ist viel größer (mindestens 45-50 cm hoch!) und kräftiger als erwartet! Dagmar kann sie kaum halten - würde sie am liebsten gar nicht mitnehmen. Aber sie bleibt optimistisch und hofft, daß das Unbehagen bald vergehen wird.
Lanita und ich verstehen uns gleich ausgezeichnet. Sie ist ein sehr sozialer Hund; gibt mir immer Küsschen, wenn wir aneinander vorbeigehen. Sie bringt mir zum Beispiel bei, daß vergammelte Frösche aus dem Gartenteich hervorragend schmecken.
Aber Dagmar findet einfach keinen Draht zur ihr; die Situation schlägt ihr total auf den Magen. Zumal Lanita sehr temperamentvoll und für einen langweiligen Bürotag absolut nicht geschaffen ist. Eine Katastrophe!!!
Völlig aufgelöst klagt Dagmar der Betreuerin ihre Sorge und bittet darum, für Lanita möglichst schnell eine andere Unterkunft zu finden. Die Betreuerin ist natürlich enttäuscht und verärgert über die “Reklamation”, bemüht sich aber dennoch, uns zu helfen. Glücklicherweise können wir Lanita bereits 3 Tage später zu einer Pflegestelle in Leverkusen bringen. Von dort aus wird sie nach einigen Wochen erfolgreich weitervermittelt. Sie lebt nun in Bonn und ihre neuen Leute sind total begeistert von ihr.
So fand ihre Geschichte doch noch ein gutes Ende. Wir trösten uns mit dem Gedanken, daß wir sie immerhin aus der Tötungsstation und damit vor dem sicheren Tod gerettet haben.
|
|
|
|
|
|
|
|
2. Versuch - Celina
|
|
Beim nächsten Anlauf will Dagmar alles richtig machen und nur einen Hund aufnehmen, den sie vorher persönlich “in natura” kennenlernen kann. Ihre Wahl fällt auf Celina. Sie kommt ebenfalls aus Spanien und lebt in einer Pflegestelle in Koblenz, wo wir sie besuchen können.
Soweit bekannt, lebte sie mit mindestens 7 weiteren Hunden bei einem älteren Ehepaar, von dem sie als “Sofa-Prinzessin” verwöhnt wurde. Eines Tages mußte das Ehepaar ins Altenheim, die Hunde wurden ins Tierheim gegeben. Als Celina nach Deutschland kam, hatte sie kaum Kondition für Spaziergänge und kannte keine Leine; gewöhnte sich aber schnell daran und fand großen Gefallen am Spazierengehen.
Zwischen Dagmar und Celina ist es Liebe auf den ersten Blick. ABER: Sie mag partout keine anderen Hunde! Gleich bei unserer ersten Begegnung knurrt sie mich an. Dagmar aber läßt sich von der Pflegestelle beruhigen, daß sich das legen wird, sobald wir uns erstmal aneinander gewöhnt haben.
Am 15.04.2005 zieht Celina bei uns ein, aber leider erfüllt sich dieses Versprechen nicht. Im Gegenteil wird unser Zusammenleben von Tag zu Tag schwieriger und stressiger. Celina verteidigt das Sofa (eigentlich MEIN Stammplatz), beißt mich vom Zaun weg, wenn ich die Nachbarn begrüßen möchte, bei jeder Fütterung gibt es wegen ihres Futterneides Probleme, die Spaziergänge gestalten sich als nerviges Spießrutenlaufen, weil sie bei jeder Hundebegegnung ausrastet und angreift.
Schließlich liegen Dagmars Nerven derart blank, daß sie sich schweren Herzens entschließt, Celina zurückzugeben. Sie war ja schließlich als MEINE Gefährtin gedacht, aber wir beide mögen uns überhaupt nicht.
Doch nun fangen die Schwierigkeiten erst richtig an: Die Tierschutzorganisation weigert sich, Celina wieder aufzunehmen! Es entwickelt sich ein zermürbender Mail-Wechsel, der immer mehr zu eskalieren droht. Erst nach 5 Wochen erklärt man sich für eine Notlösung bereit. Am 26.05.2005 können wir Celina zur Mitarbeiterin der Tierschutzorganisation bringen, bei der sie bereits ihre ersten Tage in Deutschland verbracht hat. Aber oh Schreck: Celina weigert sich, das Haus zu betreten! Sie zittert am ganzen Körper, stemmt sich mit allen vier Pfoten dagegen, ist auch mit Leckerchen nicht über die Schwelle zu locken. Dagmar muß sie schließlich mit sanfter Gewalt hineintragen.
Anmerkung: Erst viel später wurde uns klar, daß Celina keine Angst vor der Tierschutzmitarbeiterin hatte, sondern vor deren 4 großen eigenen Hunden. Offenbar hatte es dort die gleichen Probleme gegeben wie bei uns... Was man uns aber verschwiegen bzw. beschönigt hatte.
Es gibt einen tränenreichen Abschied. Geplagt vom schlechten Gewissen kehren wir nach etwa 50 m Fahrt wieder um. Trotz aller Probleme - DORT wollen wir Celina auf keinen Fall lassen. Was haben wir bloß dem armen Hund angetan!? Aber man wirft uns die Tür vor der Nase zu mit den Worten: “Sie wollten sie nicht, und jetzt bekommen Sie sie auch nicht mehr.” Bleibt uns nichts anderes übrig, als ohne Celina nach Hause zu fahren...
Leider haben sich die Fronten inzwischen derart verhärtet, daß auch ein Kontakt per Mail nicht mehr möglich ist. Dagmar versucht zwar noch über Monate hin zu erfahren, was aus Celina geworden ist, erhält aber keine Antwort. Nach unseren letzten Informationen wurde sie nach kurzer Zeit an ein Ehepaar vermittelt, mit dem man angeblich bereits seit 3 Wochen in Verbindung stand. Wobei sich für uns die Frage stellt, warum man es uns dann so schwer machte, wenn es doch Interessenten gab?
Nun, wir hoffen von Herzen, daß Celina es gut hat und als Einzelhund endlich so leben kann, wie sie es braucht.
Nachtrag 2010 Etwa 2 Jahre später nahm Dagmar noch einmal Kontakt auf: Celina genießt ihr Leben als Einzelhund in vollen Zügen!
|
|
|
|
|
|
|
|
3. Versuch - Bonnie
|
|
Dies soll der letzte Versuch sein - und er bleibt es auch tatsächlich. Am 05.07.2005 zieht Bonnie bei uns ein. Sie paßt von der ersten Sekunde an, obwohl wir über ihre Vorgeschichte kaum etwas wissen. Sie und ich verstehen uns wunderbar, sie bringt mir Spielen und Lebensfreude bei. Dagmar und Bonnie sind total vernarrt ineinander. Sie folgt ihr auf Schritt und Tritt, hält sich möglichst immer in ihrer Nähe auf.
Nach etwa einem halben Jahr wagt Dagmar, sie beim Spaziergang frei laufen zu lassen und es klappt ganz prima. Nun können wir unser Zusammenleben und die Spaziergänge endlich so genießen, wie wir es uns immer gewünscht haben.
|
|
|
|
|
|
|
|
Unser Rat
|
|
Wer einen Zweithund aufnehmen möchte: Gebt nicht auf, wenn nicht gleich alles so reibungslos klappt, wie Ihr es Euch vorstellt. Auch intensive Vorbereitung und Information geben keine Garantie für Erfolg, denn letztlich entscheiden wir Tiere selbst, wo und mit wem wir uns wohl fühlen.
Natürlich soll dies nicht bedeuten, daß man leichtfertig herumprobiert. Ernsthaftigkeit und Verantwortungsbewußtsein sind die wichtigsten Grundvoraussetzungen und jede Entscheidung muß mit Bedacht getroffen werden!
Das Zusammenleben von Bonnie und mir entwickelte sich so gut, daß wir ein Jahr später noch Lotta zu uns geholt haben. Die kleine, freche Maus ist meine große Liebe!
Auch hierbei haben wir wieder etwas dazugelernt: Nach Möglichkeit sollte man den neuen Hund gemeinsam mit dem/den bereits vorhandenen Hund(en) kennenlernen und abholen. Dagmar wird nie Bonnies entsetztes Gesicht vergessen, als sie mit Lotta auf dem Arm nach Hause kam. Sie hat sich geschworen, daß zu Bonnies Lebzeiten kein weiterer Hund hier einziehen wird.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|