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Seit September 2002 versuchen wir mit den unterschiedlichsten Methoden, Balu von der Schwanzbeißerei abzuhalten - nichts wirkt. Maulkorb versetzt ihn in Panik. Trotz Halskrause verbiegt er sich derart, dass er doch an den Schwanz kommt. Verbände halten nur so lange, bis er geschickt die verschiedensten Techniken entwickelt hat, sich das lästige Ding wieder abzureissen. Salben werden mit Begeisterung abgeschleckt, übelriechende Sprays wirken nur kurzfristig. Der Tierarzt weiß auch keinen Rat. Er meint, schlimmstenfalls müsse der Schwanz amputiert werden. Eine Medikation mit Dectomax (Anti-Parasitikum) und Nargen (Cortison) bringt vorübergehend Erfolg: Schlagartig hören die Beißattacken auf, Balu wirkt ruhig und ausgeglichen. Die Wunden heilen langsam ab, nach etwa einem Dreivierteljahr bildet sich sogar der erste neue Flaum. Wir sind optimistisch, die Lösung des Problems gefunden zu haben. Leider verkürzen sich im Laufe der Monate Wirkungsdauer und -intensität. Der Tierarzt rät von einer weiteren Behandlung ab: “Der Hund wird sonst keine 10 Jahre alt.” Also doch Schwanz ab!? Nein, nur im alleräußersten Notfall lasse ich das zu!!!
Aber was tun?
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Mai 2004
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Auf Empfehlung von Christina Sondermann setze ich mich mit Maria Hense in Verbindung, eine Tierärztin, die überwiegend verhaltenstherapeutisch arbeitet. Mühsam kämpfe ich mich durch einen Fragenkatalog, führe zwei Wochen lang Protokoll...
Die Beißattacken sind schwierig zu beschreiben und beurteilen, weil sie sich nicht typischen Situationen zuordnen lassen. Sie kommen immer unerwartet und - zumindest aus Menschensicht - nicht nachvollziehbar; und natürlich meistens im denkbar ungünstigsten Augenblick.
Nach einigen Wochen hat die Ärztin in mühevoller Kleinarbeit Diagnose sowie Behandlungs- und Verhaltensempfehlungen ausgearbeitet. An dieser Stelle ein ganz großes Dankeschön an Frau Hense!
Wir wollen versuchen, den Anweisungen entsprechend der Schwanzbeißerei zu begegnen. Die ersten Tage laufen gut an. Balu hat zwar häufig Beißanfälle, lässt sich aber relativ leicht ablenken. Offensichtlich wirkt die Medikamentenbehandlung noch nach.
Leider hält die optimistische Stimmung nicht lange an. Von heute auf morgen steigern sich die Anfälle, sowohl in Dauer als auch Intensität. Balu ist derart in seiner Anspannung gefangen, dass er kaum zu beruhigen ist. Sehr oft eskalieren meine Abhalte-Bemühungen in einen regelrechten Ringkampf, wobei ich immer öfter befürchte, gebissen zu werden.
Leider wohnt Frau Hense zu weit weg von uns, so dass die Fortsetzung der Therapie mit ihr schwierig ist. Zum Glück kann sie uns eine Kollegin in unserer Nähe empfehlen. Im August haben wir also den ersten Termin bei Margit Oepen.
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07.08.2004 Einführungsgespräch
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Das erste Gespräch mit Margit Oepen verläuft in ruhiger, sympathischer Atmosphäre. Balu scheint sich sehr wohl zu fühlen. Wir vereinbaren eine Bachblütentherapie sowie eine Beschäftigungstherapie mit 6 Einzelstunden.
Um den Juckreiz zu lindern, sollen die Wunden mit Salbe gegen Fußpilz behandelt werden. Darauf muss man erstmal kommen!
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14.08.2004 Bachblütentherapie
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Eigentlich stehe ich dem Auspendeln der Bachblüten skeptisch gegenüber. Doch das Resultat ist verblüffend: In allen Beschreibungen der ausgewählten Bachblüten ist Balu erkennbar und laufen in der einheitlichen Grunddiagnose zusammen: Balu ist ein unausgeglichener, äußerst ängstlicher Hund ohne jegliches Selbstvertrauen, der jedoch seine Unsicherheit oft durch Überaktivität überspielt.
Behandlung: 3x täglich Bachblütenmischung in Stress-Situationen möglichst Ruhe reinbringen
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20.08.2004 Tellington Touch
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Anfangs wehrt Balu sich heftig, will nur weg, der Berührung entrinnen. Schließlich beruhigt er sich doch und genießt die Behandlung. Setzt sich zweitweise sogar hin. Man sieht ihm an, dass er sich gern hinlegen würde, jedoch fehlt dafür das letzte Quentchen Entspannung. Sogar Frau Oepen ist überrascht, wie gut er darauf anspricht und sich relativ schnell beruhigt. TTouch bietet demnach eine gute Möglichkeit, Balu in seinen Anfällen zumindest zu beruhigen.
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03.09.2004 TTouch, Reiki, Bodenarbeit
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Mittlerweile lässt Balu sich recht gut auf TTouch u.ä. ein. Offensichtlich tut es ihm gut. Er lässt sich damit immer besser und schneller aus den Anfällen herausholen und beruhigen.
Bodenarbeit: Autoreifen, Leiter, Brett Balu bockt anfangs, man sieht förmlich, wie er geistig-seelisch die Schotten dicht macht. Schaut mich immer wieder an, als wollte er sagen: Hilf mir! Zwischenzeitlich blitzt aber dann doch immer wieder ein Funken Energie auf und er schafft die Übungen.
Am Ende der Therapiestunde sind wir alle 3 erledigt: Frau Oepen vom Üben, Balu vom Sich-Überwinden, ich vom Zuschauen und Mitfiebern. Balu springt sogar freiwillig (!) ins Auto, vergisst den ganzen Heimweg über seinen Schwanz, begrüßt Herrchen nur sehr verhalten und ist für den Rest des Abends platt.
Ich verabrede mit Frau Oepen weitere 6 Einzelstunden.
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10.09.2004 Arbeit mit Halti als Vorübung für den Maulkorb
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Auf Dauer wird sich leider der Maulkorb nicht vermeiden lassen, wenn der Schwanz eine Chance zur Heilung bekommen soll. Balu wehrt sich natürlich heftigst gegen den Halti - und vergisst darüber völlig seinen Schwanz, obwohl diese Übung für ihn der pure Stress bedeutet. Nach einigen Minuten hat er begriffen, dass es sich ohne Gegenwehr angenehmer geht.
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13.-17.09.2004 Herber Rückschlag
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Balu führt alle bisherigen Bemühungen und Hoffnungen ad absurdum. Die Beißattacken nehmen zu, Ablenkung bzw. Beruhigung ist fast unmöglich. Der absolute Horrortag ist am 15.09.: Ein Techniker der Telefongesellschaft muss Arbeiten im Haus durchführen. Balu gebärdet sich wie verrückt, so dass ich ihn schließlich festbinden und den Maulkorb einsetzen muss, obwohl wir trainingsmäßig noch gar nicht so weit sind. Aber ich weiß mir anders nicht mehr zu helfen und bin mal wieder kurz davor aufzugeben. Zumal Balu sich den Schwanz mit dem Maulkorb regelrecht blutig schlägt.
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17.09.2004 Bodenarbeit
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Wieder anstrengend für alle Beteiligten. Diesmal läuft es nicht so gut wie beim ersten Mal. Balu sperrt sich, friert regelrecht ein. Zwischendurch sind immer wieder TTouches zur Entspannung notwendig.
Frau Oepen erklärt den Rückfall Balus damit, dass er quasi austesten will, ob die Veränderungen der letzten Wochen tatsächlich gefestigt - “ernst gemeint” sind. Ein durchaus übliches Verhalten. Solange er nicht grundsätzlich in die alte Verhaltensweise zurückfällt, auch nicht Besorgnis erregend. In der Tat läuft es danach wieder ruhiger und ohne besondere Vorkommnisse. Beim Sonntagsspaziergang läuft er sogar relativ problemlos über Baumstämme - vor Wochen noch undenkbar.
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24.09.2004 Bodenarbeit mit Hundebegleitung
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Diesmal geht es in den Geräteparcours. Erstaunlich: Mit Unterstützung von Cara, der äußerst attraktiven Beagle-Dame, bewältigt Balu ALLE Hindernisse. Man merkt ihm an, dass ihm das Toben mit Cara, die Übungen und natürlich die Leckerlies großen Spaß machen - ein völlig anderer Hund! Zwischendurch wird ihm zwar der (positive) Stress etwas zuviel, aber mit der Schnauze auf dem Weg zum Schwanz überlegt er es sich anders und tobt weiter. Als die Schießerei im benachbarten Schützenhaus losgeht, verliert er leider Konzentration und Interesse; da überwiegt doch die Angst vor der Knallerei. Dies soll in der nächsten Sitzung verstärkt behandelt werden.
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08.10.2004 Bodenarbeit bei Lärm und Stress
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Hundegebell, vorbeifahrende Züge, viele frei laufende fremde Hunde, Händeklatschen, Aufs-Auto-Trommeln, fremde Menschen - alles Stressfaktoren. Aber erstaunlicherweise geht Balu nicht an seinen Schwanz, obwohl er all dem gern entfliehen würde (er läuft immer zum verschlossenen Tor). Selbst als die Knallerei im Schützenhaus losgeht, bleibt der Schwanz verschont. Nach etwa 1/2 Stunde ist der innere Druck jedoch zu groß geworden, so daß nur noch die Beißerei als Ventil bleibt. Zur Entspannung gibt’s dann noch einige Minuten Reiki für den Schwanz. Alles in allem hat Balu sich bei dieser Übung erstaunlich gut gehalten.
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22.10.2004 Bestandsaufnahme - Neuorientierung
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Wir diskutieren das bisher Erreichte und leiten daraus den Fortgang der Therapie ab. Es zeigt sich, daß die bisherige Bachblütenmischung unwirksam geworden ist. Erstaunlich: Im Gegensatz zu den anfangs erpendelten 7 Blüten ergeben sich nun nur 3 - allerdings völlig verschiedene. Desweiteren sprechen wir über die Ernährungsfrage, da dies ebenfalls ein wesentlicher Faktor für Balus Problem zu sein scheint.
Behandlung für die nächsten 3 Wochen: - neue Bachblütenmischung - Fortführung der Behandlung mit Fußpilzsalbe - TTouch und Heilströmen - möglichst kein Getreide im Futter
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04.11.2004
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Obwohl uns der Anblick des “ärmsten Hundes der Welt” in der Seele schmerzt, ringen wir uns notgedrungen dazu durch, verstärkt und konsequent den Maulkorb einzusetzen. Zur Beruhigung des Gewissens sagen wir uns: Immerhin ist ein unangenehmer Maulkorb weitaus weniger schmerzhaft als ein zerbissener Schwanz. Nun können wir die Wunden intensiver mit Salbe behandeln und bandagieren. Ich hoffe, der Schwanz kann besser abheilen, wenn wir bis zum Jahresende durchhalten.
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16.11.2004 Abschluß
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Heute ist unsere letzte Einzelstunde. Es gibt Toben mit fremdem Hund, anschließend 1/2 Stunde Reiki. Anschließend noch einmal Toben auf der großen Wiese und Abschlußgespräch. Geplant ist, nun zur Gruppenarbeit überzugehen.
Auf der Heimfahrt schläft Balu total entspannt ein. Doch nur wenige Straßenzüge von Zuhause entfernt passiert das Unfaßbare: Aus heiterem Himmel fällt Balu wie ein Irrer über seinen Schwanz her, ist nicht zu bändigen. Ich gerate in Panik: Mit der einen Hand das Auto steuern, mit der anderen versuchen, den tobenden Hund festzuhalten. Damit ist der Optimismus der letzten Wochen wieder hinfällig.
Am nächsten Tag das gleiche Spiel: Nach einem langen Spaziergang traktiert er wie verrückt seinen Schwanz, der dummerweise noch nicht bandagiert ist. Somit ist der Heilungsprozess der letzten Wochen zunichte gemacht. Es ist zum Verzweifeln!
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Fazit
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Wir hatten gehofft, Balu mit Bachblüten und Verhaltenstherapie von seinem Leiden heilen zu können. Leider brachten alle Bemühungen keinen dauerhaften Erfolg. So werden wir doch auf die konservative Tiermedizin zurückgreifen müssen - unsere letzte Hoffnung.
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Kosten der Therapie
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Da ich nicht Buch geführt habe, sind die Angaben aus dem Gedächtnis ziemlich vage; dennoch:
- 12x Einzelstunden à 50,00 € = 600,00 € - mehrere 50-g-Tuben Ebenol-Salbe - Unmengen an Verbandmaterial
Die Finanzierung dieser Behandlungen war uns nur möglich, weil die IG Tiere in Not unbürokratisch einen Großteil der Kosten übernahm. Vielen Dank dafür!
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