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Der harte Weg

 

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07.12.2004 Erstes Gespräch mit Frau Dr. Albrecht

Organisch ist Balu völlig in Ordnung. Die Wucherungen am Schwanz sind keine bösartigen Geschwulste, sondern Reaktionen des wegen der ständigen Knabberei überreizten Gewebes. Sobald das Beißen aufhört, werden auch diese Wucherungen abheilen.

Die Beißattacken sind u.a. eine Verhaltensstörung, die sich Balu wahrscheinlich zum Stressabbau im Labor angeeignet hat und wir - leider - durch unsere Fürsorge bestärkt und gefördert haben. Also gilt es, UNSER Verhalten zu ändern. Ein schweres Stück Arbeit, das aber letztlich uns allen nur Positives bringen wird - hoffentlich! Sobald Balu verstanden haben wird, daß seine Toberei etc. nicht mehr unsere Aufmerksamkeit erregt, wird er im Laufe der Zeit die Beißerei einstellen. Vielleicht nicht 100%ig, aber zumindest so, daß wir alle recht gut damit leben können.

Um erstmal seinen Stress-Level zu reduzieren, erfolgt eine Medikation mit Clomicalm (2x täglich 1 Tablette). Da sehr wahrscheinlich auch eine epilespie-ähnliche Störung im Gehirn vorliegt - worauf die plötzlich einsetzenden Anfälle z.B. im Schlaf schließen lassen -, muß evtl. später ein zusätzliches Medikament gegeben werden.

 

 

08.12.2004 Erste Lektion

Morgens früh im Büro. Zuerst Ruhe, dann aber geht’s los: Balu tobt wie ein Irrer, haut sich mit dem Maulkorb trotz Verband den Schwanz blutig. Je mehr ich ihn davon abhalten will, desto wütender wird er; jault und schreit, was die Lunge hergibt. Ich halte ihn nur fest, so gut ich kann; spreche ihn nicht an, kein Blickkontakt. Nach etwa 1 Stunde bin ich fix und fertig, ordentliches Arbeiten ist kaum möglich.

Aber offensichtlich begreift Balu schnell: Beim 3. Anfall läßt er relativ schnell vom Schwanz ab und gibt für den Rest des Vormittags Ruhe. Allerdings muß der Maulkorb drauf bleiben. Mittags gibt es noch einmal einen heftigen Kampf, dann ist wieder Ruhe bis abends.

 

 

08.12.2004

Abends bin ich mit Balu allein - und wundere mich: so friedlich war er schon lange nicht mehr! Zwar gibt er zwischendurch einige kleine Heulkonzerte, aber keine Attacken - ohne Maulkorb! Erst als ich ins Bett gehe, lege ich ihn vorsichtshalber an, aber die Nacht verläuft ohne Zwischenfälle.

Im Laufe der Woche entschärft sich die Situation zusehends. Der Maulkorb wird konsequent eingesetzt, der Schwanz mit Ebenol-Salbe behandelt und dick bandagiert.

 

 

Weihnachten/Silvester 2004 - Januar 2005

Zu den Feiertagen hin verschlechtert sich Balus Zustand wieder rapide - Stress pur für alle. Das Medikament zeigt kaum Wirkung. Deshalb erfolgt am
 
22.12.2004
Ergänzung der Behandlung durch Luminal (Mittel gegen Epilepsie; 2x täglich 1/4 Tablette).

30.12.2004
Erhöhung der Dosis Luminal auf 3x täglich. Immer noch bleibt die Wirkung mäßig, deshalb gibt es ab

07.01.2005
auf meinen ausdrücklichen Wunsch hin zusätzlich Cortison (1/2 Tablette/Tag)

08.01.2005
Endlich Fortschritte: Balu wird ruhiger, die Beißanfälle reduzieren sich deutlich, die Zitteranfälle verschwinden ganz. Die Bißwunden können nun wirkungsvoll behandelt werden und sind bereits nach einer Woche bis auf die beiden großen Knubbel recht gut abgeheilt.

23.01.2005
Behandlung bis auf Weiteres:
- Clomicalm 20 mg -  2x 1/2 Tabl./Tag  (gegen Stress/Trennungsängste)
- Luminal               -  3x 1/4 Tabl./Tag  (gegen Epilepsie)
- Cortison               -  1x 1/2 Tabl./Tag
- Ebenol-Salbe 0,25 (gegen Juckreiz)
- Aloe-Vera Rescue Spray (zum Reinigen und Kühlen)

Neben der Medikation muß auch das Verhaltenstraining konsequent fortgeführt werden. Wir müssen uns darauf einstellen, daß Balu überwiegend Ruhe, möglichst einen geregelten Tagesablauf sowie konsequente Erziehung braucht. Der Stresslevel muß so niedrig wie möglich gehalten werden (egal, ob positiver oder negativer Stress), auch kontakt- bzw. gefühlsmäßig müssen wir ihn vorerst leider auf Abstand halten. Jeder Zoll eines Zugeständnisses rächt sich sofort und die Schwanzbeißerei verstärkt sich wieder.

Wir hoffen sehr, nun ENDLICH die richtig Lösung gefunden zu haben und die Lebensqualität für uns alle, besonders aber für Balu, verbessern zu können.

 

 

April 2005

Von gelegentlichen Rückfällen abgesehen, entwickelt sich Balus Zustand sehr zufriedenstellend. Zwar lassen sich Situationen mit hohem Stresslevel nicht vermeiden, jedoch können diese meistens recht gut entschärft werden.

 

 

Juni 2005

Nun haben wir schon 3x versucht, wenigstens das Cortison abzusetzen - leider ein Mißerfolg. Bereits nach wenigen Tagen verschlimmern sich die Beißanfälle wieder. Vermutlich jucken und kneifen die Wunden zu sehr, wenn Balu sich aufregt und das Blut pulsiert. Der Schwanz ist auch sehr berührungsempfindlich. Müssen wir uns wohl damit abfinden, daß die Cortisongaben unvermeidlich sind. Aber wir versuchen, die Dosis so gering wie möglich zu halten.

Schauen wir jedoch auf das Positive: Die Wunden sind mittlerweile so gut abgeheilt, daß stellenweise schon die ersten neuen Härchen wachsen. Seit einigen Wochen brauchen wir keinen Verband mehr, der Maulkorb muß auch nicht mehr eingesetzt werden. Insofern hat sich die ganze Mühe (und der finanzielle Aufwand) schon gelohnt.

 

Mein bandagierter Schwanz

Dezember 2005 Fazit nach 1 Jahr Behandlung

Wie bereits zu Beginn erläutert, wird es nie eine 100%ige Heilung für Balu geben. Dennoch blicken wir inzwischen optimistisch in die Zukunft: Die Beißattacken haben sich auf ein erträgliches Maß eingependelt. Hin und wieder gibt es mehr oder weniger starke Rückfälle - meistens, wenn das Wetter umschlägt. Diese lassen sich jedoch recht gut aushalten.

Neben den Medikamenten trug Bonnies Einzug einen großen Schritt der Besserung bei. Balu wirkt seitdem ausgeglichener und ruhiger.

 

 

 

© 2002-2012 Beagle Balu | aktualisiert: 20.04.2012