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Einleitung
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Leider habe ich aus dem Versuchslabor eine sehr unangenehme Angewohnheit mitgebracht: ich zerbeiße meinen Schwanz! Das arme Ding sieht aufgrund mehrerer tiefer, zentimeterbreiter Bißwunden total zerfleddert aus.
Auf den folgenden Seiten beschreibt Dagmar ihre Bemühungen, dieses Problem zu lösen - ein schwieriges, nervenaufreibendes, schmerzhaftes, fast aussichtsloses Unterfangen.
Eine Bekannte fragte einmal, warum dieses Kapitel denn so ausführlich beschrieben sei; ist doch das Thema sehr speziell und u. U. für viele Leser uninteressant. Sicher richtig,
ABER: WIR wären in unserer verzweifelten Situation über Tipps oder Hinweise jedweder Art heilfroh gewesen. Aber selbst im “allwissenden” Internet war nichts zu finden, der Tierarzt konnte auch nicht wirklich helfen. Sogar die Mitarbeiter des Versuchslabors, aus dem Balu vermittelt wurde, standen dem Phänomen hilf- und ratlos gegenüber. Deshalb habe ich diese Erlebnisse so ausführlich beschrieben, damit sie vielleicht irgendjemand in ähnlicher Situation zumindest einen Anhaltspunkt geben können.
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Anfall
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Die Anfälle treten in 2 Varianten auf:
1. mit Ankündigung Balu wird unruhig, verläßt das Zimmer, versteckt sich. Er fängt an, den Schwanz zu lecken, steigert sich in den Beißzwang hinein.
2. ohne Ankündigung Der Anfall kommt völlig unerwartet aus heiterem Himmel. Meistens bei Stress/Aufregung, sehr oft aber auch mitten aus dem Schlaf heraus.
Beiden Varianten ist gemeinsam: Balu zerbeißt wie ein Irrer seinen Schwanz, bis er vor Schmerz schreit und die Wunden bluten. Nur mit größter Mühe und Kraftanstrengung ist er vom Beißen abzuhalten. Der ganze Körper ist stocksteif verkrampft, der Blick wie abgeschaltet ins Nirgendwo gerichtet. Balu ist nicht ansprechbar, schnauft, zittert, klappert u.U. sogar mit den Zähnen, als würde er frieren. Erst nach einigen Minuten klingt der Anfall ab, die Muskeln entspannen sich spürbar, der Blick kehrt zurück in die Gegenwart und wird wieder klar. Oft folgen mehrere Anfälle hintereinander mit unterschiedlicher Dauer und Intensität.
Zum Jahresende 2004 hat sich Balus Zustand derart verschlimmert, daß er bei jedem Anfall schreit und tobt und kaum noch zu bändigen ist - eine für alle Beteiligten unerträgliche Situation.
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Warum?
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Wann und warum hat Balu angefangen, seinen Schwanz blutig zu beißen? Aus Frust, Langeweile, Angst oder Stress? Lag irgendwann ein körperlicher Defekt vor? Auch die Tierärzte im Versuchslabor haben keine Erklärung. Organisch ist der Schwanz völlig in Ordnung, es liegen keine Anomalien, Verwachsungen o.ä. vor. Bereits im Labor wird Balu mit Salben und Cortisontabletten behandelt, jedoch ohne Erfolg. (Wegen der Cortisonbehandlung war er für Versuche unbrauchbar - hat ihm insofern quasi das Leben gerettet.)
Nachtrag 2010 Nachdem ich - einige Jahre später - erfahren habe, daß in dem Versuchslabor u.a. Medikamente gegen Schizophrenie, Alzheimer und Epilepsie getestet werden, ergibt sich für mich eine ganz andere Sicht der Dinge: Vielleicht sind die Anfälle ja Auswirkungen dieser Tests? Oder werden die Versuchshunde gar absichtlich epilepsiekrank gezüchtet?
Fragen über Fragen - auf die wir wohl nie eindeutige Antworten finden werden.
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